Die sogenannten "Großen Träger"
des Kaufhauses waren für den Kran verantwortlich. In ihrem
um 1500 eingeführten Eid mussten sie gewährleisten, dass sie
dem Rat die Einkünfte aus dem Kaufhaus und dem Kran abführen.
Kranarbeiter werden in den Quellen nicht genannt. Sie arbeiteten
sicherlich unter der Regie eines Kranmeisters, der in den
Kirchenrechnungen der St. Marienkirche zu Uelzen genannt wird.
Als im Jahre 1531 die Turmuhr der Kirche verkauft und in Hamburg
eine neue bestellt wurde, transportierte man die neue Uhr
auf dem Wasserweg bis Lüneburg. Für das Umladen auf Frachtwagen
erhielt der Kranmeister ein Trinkgeld. |

Abb. 4 Hamburger Hafen mit Kran, 1497 |
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Abb. 5
Brügger Hafenkran
Aus einem Gebetbuch mit Miniaturen,
Simon Bening (1483-1561)
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Über die Konstruktion des mittelalterlichen
Krans im Lüneburger Hafen besitzen wir kaum Informationen.
Die Kämmereirechnungen berichten immer wieder über Reparaturen
und das Auswechseln von Konstruktionselementen.
Glaubt man Lucas Lossius, so besaß der Kran um die Mitte des
16. Jahrhunderts ein Rad. Krane - Arbeitsmittel mit hochragendem
Ausleger zum Heben, Senken und Versetzen von Lasten - wurden
bereits in der Antike eingesetzt. Seit dem hohen Mittelalter
finden Krane auf Baustellen und in Häfen Verwendung. |
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Die großen Bauvorhaben der Gotik verlangten
nach Kranen. Einer der bekanntesten Baukrane des Mittelalters
war sicher jener in den ersten Jahren des 15. Jahrhunderts
auf dem halbfertigen Südturm des Kölner Domes errichtete riesige
Tretkran, der sich auf vielen Kölner Stadtansichten findet.
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Krane
mit Treträdern ausgestattet. Mit dem verstärkten Handelsverkehr,
der Konstruktion von größeren Schiffen und einer neuen Infrastruktur
der Häfen mit Kaianlagen musste zunehmend auch Schwergut ver-
und entladen werden.
Die verbesserte Hafentechnik ist zunächst in den niederländisch-flandrischen
und norddeutschen Häfen nachgewiesen. In Brügge werden "instrumento,
quod dicitur crane" 1244 erwähnt. Tretradkrane für den Umschlag
schwerer Lasten fanden im hansischen und deutschsprachigen
Raum eine weite Verbreitung. In der Bilderhandschrift des
Hamburger Stadtrechts von 1497 ist ein Hafenkran zu sehen.
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Abb. 6
Der Domkran, Photographie von Theodor Creifelds
(1839-1902), Köln 1868.
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| Der Tretradkran ist meist ein Drehkran, der
in Holz unter Verwendung von nur wenigen Eisenelementen errichtet
wurde. Er besitzt eine senkrechte Achse mit schwenkbarem Ausleger.
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Abb.7
Stader Kran kurz vor seinem Abriss
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Anhaltspunkte über die Leistungsfähigkeit von
Kranen liefern spätmittelalterliche Kranordnungen. In Köln
durften Krane in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts etwa
1220 bis 1650 N heben, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
bis zu 2050 N, also über zwei Tonnen.
Der Trierer Kran wurde im späten 15. Jahrhundert mit bis zu
1250 N, der Andernacher 1561 mit bis zu 1340 N belastet. Der
1743 in Oestrich erbaute Kran durfte bis zu 2,5 t heben.
Als man den Stader Kran abreißen wollte, wurde 1878 ein Gutachten
über seinen Zustand erstellt. Er konnte bis zu 4,1 t heben.
Trotzdem musste er einer Straßenerweiterung weichen. |
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In Lüneburg durften nach einer Verordnung aus dem Jahre
1721 "große 6, 8, 9-12 Schiffspfund haltende Kisten, Fässer
und Packen" nicht von den Winden des Kaufhauses, sondern ausschließlich
vom Kran gehoben werden.
Zwölf Schiffspfund entsprechen etwa 1,6 t. Von einer wesentlich
höheren Leistungsfähigkeit berichtet der Lüneburger Spediteur
Langermann in seiner Chronik. Im Jahre 1840 hob der 1797 erbaute
Kran eine Lokomotive an Land.
"Den 13. August traf hier am Kaufhause eine Locomotive ein,
die ca. 18 500 Pfund taxirt wurde aber schwerer war, gewogen
wurde sie nicht, doch ohne Räder etc., die lose dabey waren.
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Abb. 8
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Der Krahn trug diese Last, zwar ward der Sicherheit
wegen ein Versuch gemacht mit 80 Eisenschienen, da ca. 20
000 Pfund wogen, welche der Krahn ca. 3 Fuß hoch hob. Dies
ist wohl die größte Last, die unser Krahn gehoben hat.
Erst nach vielen Vorkehrungen und im Beyseyn einer großen
Menge Zuschauer, zu deren Zurückhaltung ein Polizeyoffizient
requirirt war, gelang es am 15. August nachmittags, die Locomotive
aus dem Schiffe ans Land zu bringen, nach dem bey einem am
Morgen gemachten Versuch, eins der beyden neuen Windentaue
gerissen war, wobey das Schiff einen - nicht sehr bedeutenden
- Ruck erhielt.
Man hatte das Gewicht der Locomotive aus 18 500 Pfund zwar
ausgerechnet, Sachkenner, u.a. die Großträger (auch Fuhrmann
Jansen, der sie ladete und 7 Pferde vorgespannt hatte) behaupteten
aber, sie müsse über 60 Schiffspfund halten, da man beym Aufladen
38 Menschen im Krahn bedurft habe, während man bey einer im
Jahre 1838 über hier gegangene Locomotive von 14 000 Pfunde
nur 26 Menschen gebrauchte.
Man tadelte es sehr, dass man es gewagt, den Krahn so anzustrengen."
Folgt man den Ausführungen Langermanns, so hob der Kran 1840
rund 9,3 t. Und Langemann bemerkte selber, dass Kritik an
einer solchen Beanspruchung des Kran geübt wurde. Es bleiben
aber gewisse Zweifel, ob die Angaben des Augenzeugen stimmen
oder Übertreibung bzw. falsche Einschätzung vorliegt. |
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